Die schönsten Texte zur Trauung

Es gibt wunderschöne Texte, Geschichten und Gedichten, die Eure Freie Trauung bereichern können. (Oder manchmal auch in der Kirche oder im Standesamt gelesen werden können.)

Besonders schön ist es, wenn die ausgewählte Musik und die Lesung sich inhaltlich ergänzen. Deshalb findet Ihr hier auch gleich passende Liedvorschläge zum Text.

Hier findet Ihr eine kleine Auswahl meiner Lieblingstexte:

Die Hochzeitskerze spricht

Ich habe es gesehen. Meine kleine Flamme war dabei, als Ihr die Hände ineinander gelegt und Euer Herz verschenkt habt.
Ich bin mehr als bloß eine Kerze, mehr als bloß ein Geschenk. Mein Licht soll dabei sein bei Eurer Ehe. Ich bin ein stiller Zeuge im Hause Eurer Liebe und wache stets über Euch.
An Tagen, da die Sonne scheint, brauche ich nicht zu brennen. Aber wenn Ihr vor Freude außer Euch seid oder ein schöner Stern am Horizont Eures Lebens scheint, dann zündet mich an.Zündet mich an, wenn es dunkel wird, wenn in eurem Leben Sturm einbricht. Wenn Streit da ist. Wenn ihr lautlos unter etwas leidet. Dann zündet mich an.
Zündet mich an, wenn der erste Schritt zu tun ist und Ihr wisst nicht wie. Wenn Ihr die Aussprache sucht, aber keine Worte findet. Wenn Ihr Euch umarmen möchtet, aber Eure Arme wie gelähmt sind. Dann zündet mich an.Mein kleines Licht ist für Euch ein deutliches Zeichen, hell und klar. Es spricht seine eigene Sprache, eine leichte Sprache, die der andere gleich versteht.
Ich bin Eure Hochzeitskerze. Ich habe Euch beide gern. Lasst mich brennen, wann und wie lange es sein muss. Bis Ihr beide dann gemeinsam – Wange an Wange – mein Licht ausblasen könnt.

(Hans Ketelhut)

Feuer und Wasser

Als Feuer und Wasser sich das erste Mal begegneten, waren sie  voneinander fasziniert. Das Feuer war ungestüm und temperamentvoll,  leuchtend und heiß, brodelnd und aufregend. Das Wasser hingegen floss  ausgeglichen vor sich hin, war klar und beruhigend, glitzernd und  erfrischend.

Staunend betrachteten sich Feuer und Wasser. Beide entdeckten am anderen unzählige Eigenschaften und Besonderheiten, die sie an sich nicht kannten. Und da sich Gegensätze bekanntlich anziehen, blieb es nicht aus, dass sich Feuer und Wasser ineinander verliebten.

Sie trafen sich, hatten Spaß miteinander, lernten voneinander und ergänzten sich wunderbar. Weil sie sich gegenseitig so kostbar geworden waren, beschlossen Feuer und Wasser, für immer zusammenzubleiben. Sie feierten ein großes Fest. Viele Gästen waren geladen – auch der Wind. Der schenkte ihnen eine  bauchige Flasche mit wertvollem Inhalt.

Nach der Feier öffneten Feuer und Wasser die Flasche und entnahmen daraus eine alte Schriftrolle. Auf dem Pergament stand Folgendes geschrieben: „Passt auf, dass ihr eure Individualität behaltet! Ihr seit so verschieden und schätzt dies aneinander. Hütet diesen Schatz, denn dieser ist das Geheimnis eurer Liebe. Respektiert eure Grenzen! Lernt voneinander, aber versucht nicht, euch gegenseitig umzuerziehen! Entdeckt immer wieder Neues aneinander! Glaubt nie, dass ihr das Geheimnis des anderen gelüftet habt, und achtet einander jeden Tag eures  gemeinsamen Lebens!“

Feuer und Wasser lasen die Flaschenpost aufmerksam durch und dachten darüber nach. Dann stellten sie die bauchige Flasche gut sichtbar in ihrer gemeinsamen Wohnung auf, um immer wieder an deren Inhalt erinnert  zu werden.

(Unbekannt)

Die Insel der Gefühle

Vor langer Zeit existierte einmal eine wunderschöne, kleine Insel.  Auf dieser Insel waren alle Gefühle der Menschen zu Hause: Der Humor und  die gute Laune, die Traurigkeit und die Einsamkeit, das Glück und das  Wissen und all die vielen anderen Gefühle. Natürlich lebte auch die  Liebe dort.
Eines Tages wurde den Gefühlen jedoch überraschend mitgeteilt, dass  die Insel sinken würde. Also machten alle ihre Schiffe seeklar, um die  Insel zu verlassen. Nur die Liebe wollte bis zum letzten Augenblick  warten, denn sie hing sehr an ihrer Insel. Bevor die Insel sank, bat die Liebe die anderen um Hilfe.
Als der Reichtum auf einem sehr luxuriösen Schiff die Insel verließ, fragte ihn die Liebe: “Reichtum, kannst du mich mitnehmen?”
“Nein, ich kann nicht. Auf meinem Schiff habe ich sehr viel Gold, Silber und Edelsteine. Da ist kein Platz mehr für dich.”
Also fragte die Liebe den Stolz, der auf einem wunderbaren Schiff vorbeikam. “Stolz, bitte, kannst du mich mitnehmen?”
“Liebe, ich kann dich nicht mitnehmen”, antwortete der Stolz, “hier  ist alles perfekt und du könntest mein schönes Schiff beschädigen.”
Als nächstes fragte die Liebe die Traurigkeit: “Traurigkeit, bitte nimm du mich mit.”
“Oh Liebe”, sagte die Traurigkeit, “ich bin so traurig, dass ich allein bleiben muss.”
Als die gute Laune losfuhr, war sie so zufrieden und ausgelassen, dass sie nicht einmal hörte, dass die Liebe sie rief.
Plötzlich aber rief eine Stimme: “Komm Liebe, ich nehme dich mit.”
Die Liebe war so dankbar und so glücklich, dass sie ganz und gar vergaß, ihren Retter nach seinem Namen zu fragen.
Später fragte die Liebe das Wissen: “Wissen, kannst du mir vielleicht sagen, wer es war, der mir geholfen hat?”
“Ja sicher”, antwortete das Wissen, “das war die Zeit.”
“Die Zeit?” fragte die Liebe erstaunt, “Warum hat mir die Zeit denn geholfen?”
Und das Wissen antwortete: “Weil nur die Zeit versteht, wie wichtig die Liebe im Leben ist.”

(Unbekannt)

Der kleine Prinz und seine Rose

Es war einmal ein kleiner Prinz auf einem fernen Planeten. Dieser Planet war sehr klein, nicht größer als unsere Kirche. Der kleine Prinz lebte dort allein. Na ja, nicht ganz allein, denn dort wuchs eine Rose, eine einzige Rose, mehr nicht. Der Prinz liebte seine Rose über Alles. Wenn sie traurig war, tröstete er sie, wenn der Wind gegen die Blüte blies, umschloss er sie mit seinen Händen, wenn eine Raupe an den Blättern nagen wollte, stülpte er ein schützendes Glas über sie.
Eines Tages musste der Prinz seine Rose für kurze Zeit allein lassen, denn er flog zur Erde. Er landete hier mitten in einem Rosenfeld. Er sah die vielen Rosen und wurde sehr traurig. „Ich dachte, es gäbe nur eine Rose im ganzen Universum“, sagte er, „meine Rose. Ich dachte sie sei etwas Besonderes. Doch es gibt so viele, und sie sind alle gleich schön. Ich weiß nun gar nicht mehr, warum ich denn meine Rose so sehr liebe.“
 In diesem Moment erschien ein Fuchs. „Wer bist du?“, sagte der kleine Prinz. „Ich bin ein Fuchs“, sagte der Fuchs. „Komm, spiel mit mir“, schlug der kleine Prinz vor. „Ich kann nicht mit dir spielen“, sagte der Fuchs, „ich bin noch nicht gezähmt! Zähmen bedeutet, sich vertraut zu machen. Noch bin ich für dich nur irgendein Fuchs, doch wenn du mich zähmst, bin ich einzigartig für dich.“ Also machte sich der kleine Prinz mit dem Fuchs vertraut. Sie blieben einige Zeit zusammen.
Als die Zeit des Abschieds kam, sagte der Fuchs: „Geh die Rosen wieder anschauen. Du wirst begreifen, dass die deine die einzige ist.“ Der kleine Prinz ging, die Rosen wiederzusehen. „Ihr seid gar nicht wie meine Rose,“ sagte er zu ihnen. „Ihr seid wie mein Fuchs war. Er war nur ein Fuchs wie hunderttausend andere. Aber ich habe ihn zu meinem Freund gemacht, und jetzt ist er der einzige in der Welt. Ihr seid schön, aber ihr seid leer,“ sagte er noch. „Meine Rose habe ich begossen. Ich habe sie unter den Glassturz gestellt, sie beschützt, sie von Raupen befreit. Ich habe sie klagen und rühmen gehört und manchmal schweigen. Das ist meine Rose.“
Er kam zum Fuchs zurück. „Nun wirst du das Geheimnis verstehen,“ sagte der Fuchs, „das ich dir mitgebe; es ist ganz einfach: Man sieht nur mit dem Herzen gut; alles Wesentliche ist für das Auge unsichtbar.“
Der kleine Prinz wiederholte, um es sich zu merken: „Alles Wesentliche ist für das Auge unsichtbar.“
„Und da ist noch etwas“, sagte der Fuchs, „die Menschen haben diese Wahrheit vergessen, aber du darfst nie vergessen: Du bist zeitlebens für das verantwortlich, was du dir vertraut gemacht hast. Du bist für deine Rose verantwortlich.“
„Ich bin für meine Rose verantwortlich“, wiederholte der Prinz, um es sich zu merken.

(Antoine de Saint-Exupéry)

Passendes Lied: The Rose (Bette Midler)

Der Ort, an dem der Himmel die Erde küsst

Eine alte Legende erzählt, dass es da zwei Menschen gab, die überaus  glücklich miteinander lebten. Sie waren zufrieden, mit dem was sie  hatten und miteinander teilten. Ihre Liebe wuchs durch die Jahre ihres  Zusammenlebens. Nichts und niemand konnte diese Liebe zerstören.
Eines  Tages lasen sie in einem alten Buch, dass es da irgendwo, in weiter  Ferne, vielleicht am Ende der Welt, einen Ort gäbe, wo unermessliches  Glück herrsche. Ein Ort sollte dies sein, so sagte das alte Buch, an dem  der Himmel die Erde küsst. Die beiden beschlossen, diesen Ort zu  suchen. Der Weg war lang und voller Entbehrungen.
Bald wussten sie nicht  mehr, wie lange sie schon unterwegs waren; doch aufgeben wollten sie  nicht. Fast am Ende ihrer Kraft, erreichten sie eine Tür, wie sie im  Buch beschrieben war. Hinter dieser Tür sollte es sich befinden: Das  große Glück, das Ziel ihres Hoffens und Suchens. Welch eine Spannung war  in ihnen – wie wird er aussehen, der Ort, an dem der Himmel die Erde  küsst, der Ort, an dem ein solches Glück herrscht. Sie klopften an.
Die Tür öffnete sich. Sie fassten sich an der Hand und traten ein. Da  standen sie nun – wieder mitten in ihrer Wohnung. Am Ende dieses langen  Weges waren sie wieder bei sich Zuhause angekommen. Und sie verstanden:  Der Ort, an dem der Himmel die Erde küsst, ist der Ort, an dem die  Menschen sich küssen. Der Ort, an dem der Himmel die Erde berührt, ist  der Ort, an dem die Menschen sich berühren. Der Ort, an dem der Himmel  sich öffnet, ist der Ort, an dem Menschen sich füreinander öffnen. Der  Ort des großen Glücks ist der Ort, an dem Menschen sich glücklich  machen.

(Unbekannt)

Passendes Lied: Da berühren sich Himmel und Erde, Feels like Home

Wir wünschen Euch

Wir wünschen euch Zeit Die Zeit, die Ihr braucht, und die Zeit, die  Ihr habt, die Zeit, die vergeht, und die Zeit, die Euch bleibt, die Zeit für Euch selber und die Zeit zu zweit.
Wir wünschen Euch LIEBE. Die Liebe, die Ihr gebt, und die Liebe, die Ihr bekommt, die Liebe, die Ihr fühlt, und die Liebe, die Ihr wollt, die Liebe des Anfangs und die Liebe des Endes.
Wir wünschen Euch ZÄRTLICHKEIT. Die Zärtlichkeit, die Euch aufwärmt, die Zärtlichkeit, die Euch warm hält, die Zärtlichkeit, die Euch einfängt, die Zärtlichkeit, die Euch auffängt, die Zärtlichkeit  des Spieles und die Zärtlichkeit des Ernstfalles.
Wir wünschen Euch FREIHEIT. Die Freiheit, die Euch entfesselt, und die Freiheit, die Euch bindet, die Freiheit, die Euch ablöst, und die Freiheit, die Euch erlöst, die Freiheit zum Ich und die Freiheit zum Du.
Wir wünschen Euch  FREUNDE. Die Freunde, die Ihr mögt, und die Freunde, die Euch mögen, die Freunde, die Ihr braucht, und die Freunde, die Euch brauchen, die Freunde von früher, und die Freunde von später, und wir wünschen uns:  Eure FREUNDE zu sein!

Was es ist

Es ist Unsinn
sagt die Vernunft
Es ist was es ist
sagt die Liebe
Es ist Unglück
sagt die Berechnung
Es ist nichts als Schmerz
sagt die Angst
Es ist aussichtslos
sagt die Einsicht
Es ist was es ist
sagt die Liebe
Es ist lächerlich
sagt der Stolz
Es ist leichtsinnig
sagt die Vorsicht
Es ist unmöglich
sagt die Erfahrung
Es ist was es ist
sagt die Liebe

(Erich Fried)

Die zwei Kugelhälften

„Als das Leben am Anfang stand, fielen unzählige Kugeln auf die Erde. Bei ihrem Aufprall zersprangen sie in zwei Hälften. Uneben und frei auseinander geteilt symbolisieren sie die unterschiedlichen Charaktere zweier Menschen. Doch jede dieser auch noch so verschiedenen Halbkugeln ist für ein Gegenstück bestimmt, so wie auch zwei Menschen füreinander bestimmt sind.
Wir alle sind auf der Suche nach unserer anderen Hälfte, eben nach der anderen halben Kugel. Wenn ihr glaubt, ihr habt Eure andere Hälfte gefunden, dann werdet ihr feststellen, dass die beiden halben Kugeln oft nur an einer einzigen kleinen Stelle passen, was Ihr durch sorgfältiges Drehen und Probieren herausfinden könnt. Es ist ganz natürlich, dass es am Anfang hakt und hängen bleibt. Aber genau das macht Sinn – denn: nicht alles kann von vornherein passen und übereinstimmen.
Nun müssen beide an ihrer halben Kugel arbeiten, schleifen und feilen. Nur langsam und in kleinen Schritten ebnet sich dieser kantige Bruch durch das Geben und Nehmen in der Liebe.
Nach einiger Zeit, wenn sich beide Hälften abgeschliffen haben, lassen sie sich fast reibungslos zu einer Kugel formen. Aber eben nur fast, genau passen – wie am Anfang unserer Zeit – darf es nie, sonst verliert man seine Persönlichkeit und das, was den Menschen an Eurer Seite ausmacht.
Jedoch eines vergesst nie: Ihr sollt nicht an der anderen, sondern stets an der eigenen Hälfte feilen.“

(nach Platon)

Saengerin Hochzeit Kirche Standesamt Traaung